Wenn in
wenigen Wochen in prunkvollen Stadien nationale Fußball-Teams um den
Europameistertitel kicken, „gemeinsam Geschichte schreiben“ wollen, ist bereits
eine Geschichte gemeinsam geschrieben - in Sadnestrjansk (Задністрянськ).
Sadnestrjansk,
ein kleines Dorf in der Region Ivano-Frankivsk, hat

kein prunkvolles Stadion, gerade mal einen Sportplatz, der
allerdings überwiegend von den Hühnern genutzt wird. Wir überlassen diesen auch
weiterhin dem Federvieh, zunächst, denn unser Spielfeld ist ein anderes, der
Kindergarten. Hier nagt der Zahn der Zeit draußen wie drinnen, ungehindert, seit
50 Jahren, das will unser Kolping-Team ändern!
Die Fans sind längst da.
40 Kinder der Einrichtung empfangen uns mit Jubel, mit Tänzen und Gesängen, wir
sind willkommen. Auch längst da ist das zweite Team, die Heimmannschaft,
Jugendliche vom Verband "Ukrainische Jugend – Christus" ("Українська молодь -
Христові" ).
Mit dem Anpfiff geht es los, nicht gegeneinander, sondern
miteinander. Es wird angepackt, wo es zu malern gibt, Fliesen zu gestalten und
zu verlegen, Sanitär zu erneuern oder das Außengelände zu verschönern. Dabei
werden wir gecoacht von Eichsfelder Profis mit handwerklichem Geschick und Know
How. Und die Fans begleiten all

unser Tun mit neugierigen, leuchtenden Kinderaugen.
Feste
Spielzeiten gibt es nicht. Genauso wenig ist die Anzahl der Spieler oder
Auswechslungen reguliert. Es wird einfach geackert und gerackert und jeder ist
willkommen. Auch neben dem Spielfeld, in den (Halbzeit)Pausen wächst der
Teamgeist etwa bei einer Dorferkundung, einer geführten Besichtigung der
Kreisstadt Ivano-Frankivsk, einem Besuch im Museumsdorf Galitsch oder einer
verregneten Bergtour in den Karpaten, regenbedingt eher eine Bustour. Im
besonderen Maße teambildend ist jedoch das Flussufergrillen. Nicht ganz
pannenfrei verläuft die Fahrt zum Fluss in den Mannschaftsbussen für die
ukrainischen Gefährte. Aber das erhöht den Fun-Charakter, lässt das Eis noch
schneller schmelzen und spätestens jetzt ist auch die letzte sprachbedingte
Barriere gebrochen.
Trotz Fun und Halli-Galli gibt es so manchen
nachdenklichen Eintrag im Teamtagebuch: So besuchen wir beispielsweise das
Museumsdorf Galitsch, besichtigen ausgestellte Häuser aus verschiedener Regionen
der Ukraine und sehen, wie vor 200 Jahren arme Bauern lebten. Am Tag darauf
besuchen wir im Armenviertel die Patenkinder und erleben bewohnte Behausungen
wie vor 200 Jahren, allerdings nicht so hübsch gepflegt wie im Museumsdorf - ein
Déjà-vu…
Oder wir erleben, dass unseren exzessiven Duschgelüsten ein
jähes Ende bereitet wird, denn das Wasser aus der Wand kommt aus dem Brunnen und der
ist eben irgendwann einfach leer... bis es wieder ausgiebig geregnet hat. Dank
Mineralwasser ohne Sprudel und einem großen Vorrat davon ist zumindest die Grundhygiene
gesichert. ;)
Ohne Segen nur Regen! Gegen Ende

unserer Woche beginnt es, permanent und penetrant zu regnen. Zum
Glück ist inzwischen unser Spielfeld geräumt, sind alle handwerklichen Arbeiten
erledigt und diese von den Fans feierlich-jubelnd abgenommen, Übergabe und
Einweihung, denn Segen muss her! Und - wenn man so sagen will - bemühen wir uns
um diesen auch in der Form, dass wir die ukrainisch-griechisch-katholische, zu unserem
Katholizismus zeitversetzte Kar- und Osterliturgie mit gestalten und mit
erleben, viel Weihrauch und Weihwasser inklusive.
Das Finalspiel ist
bestritten, gekürt ist nicht das eine, sondern das gemeinsame
Meisterschafts-Team, was uns jubeln, stolz sein, feiern lässt. Den
unaufhaltbaren Abschied macht das allerdings nicht leichter. Diesen nehmen wir
sportlich, auch tränenreich und vor allem mit dem Wissen: Together we have
created history!
(Tob)
Am Freitagabend begannen wir das Gemeinschaftswochenende
mit dem Abendbrot. Danach fuhren wir nach Heiligenstadt ins Marcell-Callo-Haus,
wo wir uns im Meditationsraum unter der Leitung von Sr. Lucia Maria
untereinander über unsere Lichtblicke im Jahr 2011 austauschten. Einige hatten
auch Fotos von schönen Erlebnissen mitgebracht und so erinnerten wir uns
gemeinsam an das ereignisreiche letzte Jahr. Damit uns die vielen Highlights
unserer Kolpingjugend im letzten Jahr noch einmal ins Gedächtnis gerufen wurden,
schauten wir zusammen eine Power-Point-Präsentation an. Anschließend stand eine
kleine Bastel- und Besinnungsrunde auf dem Programm: Jeder bekam eine kleine
Streichholzschachtel, in die kleine Zettel hineingelegt werden konnten. Auf den
Zetteln notierten wir was uns im Jahr 2011 sehr berührt hatte, sodass wir im
Jahr 2012 in traurigen Momenten wieder daran zurückdenken können. Nachdem wir
die Runde mit Gebeten und Liedern beendet hatten, fuhren wir zurück auf die
Bleibe und gingen dann zum gemütlichen Teil über.
Der Samstag startete mit dem Frühstück und einer
Morgenrunde, auf die gleich die erste Runde mit dem Thema „Geld ist schön…“
folgte. Dort sollten wir uns anhand von Sprüchen über Geld äußern und diese zu
„Fluch“ oder Segen“ zuordnen. Zuletzt verglichen wir unsere Geldwerte, die wir
zu Weihnachten erhalten und die, die wir verschenkt hatten. In der zweiten
Themenrunde „…kann soviel kaufen“ stellten wir uns vor, dass wir 50 Euro hätten.
Was würden wir davon kaufen? Was gäben wir anderen davon? Nachdem uns Tobias
Kube noch einige Dinge nannte, für die deutsche Kinder und Jugendliche viel Geld
ausgeben, gab es Mittagessen. In der darauf folgenden Mittagspause hatten wir
die Möglichkeit, Tischtennis zu spielen oder uns einfach nur auszuruhen.
Den Sonntag begannen wir mit dem Frühstück und
anschließender Morgenrunde. Nachdem das Chaos beseitigt wurde, ging es wieder
nach Heiligenstadt ins MCH zum Gottesdienst gemeinsam mit anderen Gruppen, die
das Wochenende im MCH an Kursen teilgenommen hatten. Am Ende waren wir uns
einig, dass das Wochenende wieder sehr informativ war und uns allen viel Spaß
gemacht hat.
(Je+Ju)