2012

„Creating history together - Gemeinsam Geschichte schreiben“
Arbeitseinsatz und Jugendbegegnung in der Ukraine (April 2012)

Wenn in wenigen Wochen in prunkvollen Stadien nationale Fußball-Teams um den Europameistertitel kicken, „gemeinsam Geschichte schreiben“ wollen, ist bereits eine Geschichte gemeinsam geschrieben - in Sadnestrjansk (Задністрянськ).

Sadnestrjansk, ein kleines Dorf in der Region Ivano-Frankivsk, hat kein prunkvolles Stadion, gerade mal einen Sportplatz, der allerdings überwiegend von den Hühnern genutzt wird. Wir überlassen diesen auch weiterhin dem Federvieh, zunächst, denn unser Spielfeld ist ein anderes, der Kindergarten. Hier nagt der Zahn der Zeit draußen wie drinnen, ungehindert, seit 50 Jahren, das will unser Kolping-Team ändern!

Die Fans sind längst da. 40 Kinder der Einrichtung empfangen uns mit Jubel, mit Tänzen und Gesängen, wir sind willkommen. Auch längst da ist das zweite Team, die Heimmannschaft, Jugendliche vom Verband "Ukrainische Jugend – Christus" ("Українська молодь - Христові" ).

Mit dem Anpfiff geht es los, nicht gegeneinander, sondern miteinander. Es wird angepackt, wo es zu malern gibt, Fliesen zu gestalten und zu verlegen, Sanitär zu erneuern oder das Außengelände zu verschönern. Dabei werden wir gecoacht von Eichsfelder Profis mit handwerklichem Geschick und Know How. Und die Fans begleiten all unser Tun mit neugierigen, leuchtenden Kinderaugen.

Feste Spielzeiten gibt es nicht. Genauso wenig ist die Anzahl der Spieler oder Auswechslungen reguliert. Es wird einfach geackert und gerackert und jeder ist willkommen. Auch neben dem Spielfeld, in den (Halbzeit)Pausen wächst der Teamgeist etwa bei einer Dorferkundung, einer geführten Besichtigung der Kreisstadt Ivano-Frankivsk, einem Besuch im Museumsdorf Galitsch oder einer verregneten Bergtour in den Karpaten, regenbedingt eher eine Bustour. Im besonderen Maße teambildend ist jedoch das Flussufergrillen. Nicht ganz pannenfrei verläuft die Fahrt zum Fluss in den Mannschaftsbussen für die ukrainischen Gefährte. Aber das erhöht den Fun-Charakter, lässt das Eis noch schneller schmelzen und spätestens jetzt ist auch die letzte sprachbedingte Barriere gebrochen.

Trotz Fun und Halli-Galli gibt es so manchen nachdenklichen Eintrag im Teamtagebuch: So besuchen wir beispielsweise das Museumsdorf Galitsch, besichtigen ausgestellte Häuser aus verschiedener Regionen der Ukraine und sehen, wie vor 200 Jahren arme Bauern lebten. Am Tag darauf besuchen wir im Armenviertel die Patenkinder und erleben bewohnte Behausungen wie vor 200 Jahren, allerdings nicht so hübsch gepflegt wie im Museumsdorf - ein Déjà-vu…

Oder wir erleben, dass unseren exzessiven Duschgelüsten ein jähes Ende bereitet wird, denn das Wasser aus der Wand kommt aus dem Brunnen und der ist eben irgendwann einfach leer... bis es wieder ausgiebig geregnet hat. Dank Mineralwasser ohne Sprudel und einem großen Vorrat davon ist zumindest die Grundhygiene gesichert. ;)

Ohne Segen nur Regen! Gegen Ende unserer Woche beginnt es, permanent und penetrant zu regnen. Zum Glück ist inzwischen unser Spielfeld geräumt, sind alle handwerklichen Arbeiten erledigt und diese von den Fans feierlich-jubelnd abgenommen, Übergabe und Einweihung, denn Segen muss her! Und - wenn man so sagen will - bemühen wir uns um diesen auch in der Form, dass wir die ukrainisch-griechisch-katholische, zu unserem Katholizismus zeitversetzte Kar- und Osterliturgie mit gestalten und mit erleben, viel Weihrauch und Weihwasser inklusive.

Das Finalspiel ist bestritten, gekürt ist nicht das eine, sondern das gemeinsame Meisterschafts-Team, was uns jubeln, stolz sein, feiern lässt. Den unaufhaltbaren Abschied macht das allerdings nicht leichter. Diesen nehmen wir sportlich, auch tränenreich und vor allem mit dem Wissen: Together we have created history!
(Tob)

Gemeinschaftswochenende und Jahresabschluss auf der Bleibe

Vom 13.01. bis 15.01.2012 fand unser alljährliches Jahresabschlusswochenende auf der Bleibe in Heiligenstadt statt. Dieses Mal setzten wir uns mit dem Thema „Geld regiert die Welt“ auseinander.

Am Freitagabend begannen wir das Gemeinschaftswochenende mit dem Abendbrot. Danach fuhren wir nach Heiligenstadt ins Marcell-Callo-Haus, wo wir uns im Meditationsraum unter der Leitung von Sr. Lucia Maria untereinander über unsere Lichtblicke im Jahr 2011 austauschten. Einige hatten auch Fotos von schönen Erlebnissen mitgebracht und so erinnerten wir uns gemeinsam an das ereignisreiche letzte Jahr. Damit uns die vielen Highlights unserer Kolpingjugend im letzten Jahr noch einmal ins Gedächtnis gerufen wurden, schauten wir zusammen eine Power-Point-Präsentation an. Anschließend stand eine kleine Bastel- und Besinnungsrunde auf dem Programm: Jeder bekam eine kleine Streichholzschachtel, in die kleine Zettel hineingelegt werden konnten. Auf den Zetteln notierten wir was uns im Jahr 2011 sehr berührt hatte, sodass wir im Jahr 2012 in traurigen Momenten wieder daran zurückdenken können. Nachdem wir die Runde mit Gebeten und Liedern beendet hatten, fuhren wir zurück auf die Bleibe und gingen dann zum gemütlichen Teil über.
 
Der Samstag startete mit dem Frühstück und einer Morgenrunde, auf die gleich die erste Runde mit dem Thema „Geld ist schön…“ folgte. Dort sollten wir uns anhand von Sprüchen über Geld äußern und diese zu „Fluch“ oder Segen“ zuordnen. Zuletzt verglichen wir unsere Geldwerte, die wir zu Weihnachten erhalten und die, die wir verschenkt hatten. In der zweiten Themenrunde „…kann soviel kaufen“ stellten wir uns vor, dass wir 50 Euro hätten. Was würden wir davon kaufen? Was gäben wir anderen davon? Nachdem uns Tobias Kube noch einige Dinge nannte, für die deutsche Kinder und Jugendliche viel Geld ausgeben, gab es Mittagessen. In der darauf folgenden Mittagspause hatten wir die Möglichkeit, Tischtennis zu spielen oder uns einfach nur auszuruhen.
 
Um halb vier ging es dann mit dem Kaffee weiter und wir hielten unsere nächste Runde zum Thema „Nur nicht den Fehler machen…“. Zum Einstieg sahen wir Filme zum Thema Geldwirtschaft. Anschließend teilten wir uns in Kleingruppen auf und bearbeiteten Aufgaben zum Thema Verschuldung und dachten uns dazu auch noch zwei Rollenspiele aus, die wir den anderen dann vorführten. Weiterhin gab uns Sr. Lucia Maria noch ein paar Infos zu Prinzipien der Ver- und Entschuldung. Nach dem Abendbrot um 18.00 Uhr ging es auch wieder ums Geld. Diesmal durften wir 90.000 Hrywnja (UAH, ukrainische Währung in Anlehnung an unsere Begegnungsfahrt im Februar) in einer Spielrunde einsetzen und vermehren oder verspielen. Nach einem Abendgebet ließen wir den Tag gemütlich ausklingen. Viele hatten von der Spielerunde noch nicht genug und versuchten rekordverdächtig lange Wörter beim Scrabble zu legen oder Skat zu lernen.
 
Den Sonntag begannen wir mit dem Frühstück und anschließender Morgenrunde. Nachdem das Chaos beseitigt wurde, ging es wieder nach Heiligenstadt ins MCH zum Gottesdienst gemeinsam mit anderen Gruppen, die das Wochenende im MCH an Kursen teilgenommen hatten. Am Ende waren wir uns einig, dass das Wochenende wieder sehr informativ war und uns allen viel Spaß gemacht hat.
(Je+Ju)